SuedLink-Baustopp bei Tunnelbohrungen im Salzbergwerk

(Beitragsbild: Erkundungsbohrungen am Umspannwerk Großgartach / TransnetBW / Lars Behrendt)

Pressemitteilung 2026-10-02

Der Bundesverband der Bürgerinitiativen gegen SuedLink (BBgS) warnt vor übereilten planerischen und behördlichen Entscheidungen nach SuedLink-Baustopp bei Bad Friedrichshall

Nach dem vorläufigen Baustopp der SuedLink-Stromtrasse bei Bad Friedrichshall, schlägt der BBgS Alarm und fordert eine lückenlose Aufklärung vom Vorhabenträger TransnetBW und den Genehmigungsbehörden. Denn die angekündigte Umplanung der HGÜ-Leitung auf eine drei Kilometer lange, oberflächennahe Grabenbauweise, zieht einen völlig neuen Kreis von betroffenen Bürgerinnen und Bürgern in das Verfahren.

Planerisches Versagen und fehlende geologische Sorgfalt

„Eigentlich könnte man sagen: Wir haben es ja gewusst“, erklärt Hildegard Beyfuß von der Bürgerinitiative A7 Stromtrasse NEIN e.V. und ebenfalls Mitglied im BBgS. „Das geologische Risiko von Wassereinbrüchen und die unmittelbare Nähe zum Untertage-Sondermülllager (UTD) Kochendorf waren von Beginn an bekannt. Dass nun plötzlich wasserführende Schichten den Bau stoppen, ist aus unserer Sicht die Quittung für fehlende geologische Sorgfalt und eine überstürzte Planung, nur um den politischen Zeitdruck zu bedienen.“

Druck auf Eigentümer und Angst vor Alibi-Veranstaltungen

Mit großer Sorge blickt der BBgS auf die angekündigte Trassen-Umplanung. Landwirte und Grundstückseigentümer, die bislang überhaupt nicht vom SuedLink-Bau betroffen waren, werden nun unvorbereitet mit existentiellen Eingriffen konfrontiert. Maria Quanz, Verbandssprecherin des BBgS, widerspricht der Aussage von Timo Frey, dem Bürgermeister von Bad Friedrichshall, dass „es so schnell wie möglich gehen muss“ und warnt eindringlich davor, psychologischen Druck auf die Betroffenen auszuüben, nur um die Planänderungen im Sinne der Netzausbaubeschleunigung ohne ausreichende Bürgerbeteiligung durchzuwinken. „Wir lassen nicht zu, dass die Betroffenen jetzt durch Entscheidungen, die in intransparenten Hinterzimmer-Gesprächen getroffen wurden, überrumpelt werden. Wer im Eiltempo die Pläne ändert, muss sich auch den Fragen der regional Betroffenen stellen. Wir fordern einen Erörterungstermin in Präsenz vor Ort und eine umfassende Umweltprüfung. Denn Alibi-Infoveranstaltungen und Hochglanz-Prospekte reichen bei dieser komplizierten Sachlage bei Weitem nicht aus.“

Die Erfahrungen aus anderen Bauabschnitten zeigen, dass es länderübergreifend immer wieder zu schweren Pannen kommt. „Unkontrollierte Bentonit-Bohrschlammaustritte bei den Bohrungen haben mehrfach landwirtschaftliche Flächen dauerhaft geschädigt und Gewässer verseucht“, kritisiert BBgS Mitglied Christian Göb vom Umweltverband BI Bergrheinfeld e.V. Zudem bemängelt er die unzureichende Reaktion der Verantwortlichen: „Die Havariekonzepte greifen oft zu spät oder gar nicht – meistens erst, wenn es zu Bürgerprotesten kommt.“

Die im November geplante Informationsveranstaltung des Vorhabenträgers reicht bei Weitem nicht aus, um ein faires Verfahren zu garantieren. Es gilt im Interesse der Bürger:innen Planänderungen im Eiltempo zu verhindern. Daher stellt der BBgS unmissverständlich folgende Kernforderungen:

  • Zwingend einen Erörterungstermin in Präsenz: Die Betroffenen müssen die Möglichkeit haben, Einwendungen offiziell und wirksam einzubringen. Reine PR-Veranstaltungen der Netzbetreiber werden nicht akzeptiert.
  • Vollständige Offenlegung aller Gutachten: Sämtliche geologischen Berichte, die zum Baustopp führten, müssen im Vorfeld verständlich und öffentlich zugänglich gemacht werden. Nur so kann sich die Öffentlichkeit ein Bild der tatsächlichen Risiken machen.
  • Umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung: Durch die oberirdische Grabenbauweise in einem sensiblen Feuchtgebiet wie der Kocheraue (FFH-Gebiet) werden die Schutzgüter Boden, Wasser und Mensch in einem drei Kilometer langen Abschnitt zum ersten Mal real belastet. Ein beschleunigtes Durchwinken im Eiltempo ist unverantwortlich.
  • Verlängerung der Beteiligungsfristen: Die gesetzlichen Mindestfristen zur Einsichtnahme und Abgabe von Stellungnahmen müssen verlängert werden, damit sich Eigentümer ausführlich informieren können und Zeit für eine fundierte rechtliche Beratung haben.

Energiewende geht längst dezentral

Für den BBgS zeigt der Vorfall in Bad Friedrichshall erneut, dass das milliardenschwere Megaprojekt SuedLink an der Realität vorbeigeht. Die echte Energiewende findet längst dezentral und regional in den Gemeinden statt, die aktiv erneuerbare Strukturen vor Ort aufbauen – ganz ohne Monstertrassen und unkalkulierbare ökologische (sowie wirtschaftliche) Risiken.